Däghallmy

LP. Genesungswerk gw02. Mai 1998.

 
[multer] graben sich tief in die Klänge ein, arbeiten jede Sekunde mit ihnen, und lassen in der schweren Dichte der Musik gleichzeitig eine Leichtigkeit und Schönheit aufblitzen, die einen ausfüllen kann. (de:bug)
[multer] verlassen sich nicht allein auf die verführerischen Qualitäten von Drones, sondern erarbeiten sich Strukturen, in denen verschiedenste Klangebenen in Relation zu ihren Nachbarn um Signifikanz zu ringen haben. [multer] tun dies mit einer Leichtigkeit und Bravour, die die Musik extrem gleiten läßt. (aufabwegen)
Vorderseite "Däghallmy"
Rückseite "Däghallmy"

A01: Weide
A02: Kar
A02: Prae-/loop

B01: Däghallmy



Alle mp3s in einer Bitrate von 128 kBit/s.


[multer] - Weide



[multer] - Kar



[multer] - Prae-/loop



[multer] - Däghallmy





Reviews

Man braucht in diese Platte nur kurz reinzuhören und sofort fällt einem auf, wie selten es Platten gibt, die fast nur mit ambienten flächigen Sounds arbeiten, einem aber auf anhieb klar machen können, dass hier nur Musik stattfinden wird, die einen mitreisst. Multer graben sich tief in die Klänge ein, arbeiten jede Sekunde mit ihnen, und lassen in der schweren Dichte der Musik gleichzeitig eine Leichtigkeit und Schönheit aufblitzen, die einen ausfüllen kann. Musik die man am besten 100prozentig hört, die erwartet, dass sie einen Raum füllen kann, ob es nun der eigene Körper ist, oder eine Fläche, deren Ausmasse nicht mehr zu bestimmen sind, und in der jedes weitere Geräusch sofort, wie in den besten Visionen einer Welt eingegliedert wird. Sehr offene 4 Stücke. Ruhigstes und absolut minimalstes Ambientrelease der letzten Zeit. (de:bug)

... Wie man die Isolation richtig anpackt, zeigen Multer, die mich mit ihrer LP vollends in Begeisterung versetzt haben. Dies ist schwingende Musik mit Tiefe und subtiler Dynamik. Nicht schon wieder Gitarrendrones, mag da der ein oder andere denken. Ich kann nur sagen: hören statt denken ist in diesem Fall angebrachter. Denn Multer verlassen sich nicht allein auf die verführerischen Qualitäten von Drones, sondern erarbeiten sich Strukturen, in denen verschiedenste Klangebenen in Relation zu ihren Nachbarn um Signifikanz zu ringen haben. Multer tun dies mit einer Leichtigkeit und Bravour, die die Musik extrem gleiten lässt: wo beginnt der mich umgebende Sound, wo setzt ein zittriges Vibrato ein und wo endet das leicht pulsierende Nebelschwadron, in dem ich gerade meinen Orientierungssinn verliere? Ganz unromantisch im Knistern der Auslaufrille - ansonsten sollte sich jeder die Magie dieser Musik selbst entdecken - es lohnt sich! (aufabwegen)

Von der vierköpfigen Band selbst als 'Minimal Ambient' bezeichnet, lassen sich die sachte vorgehenden Atmosphären in der Tat recht gut unter das Etikett fassen. Angedeutete Melodien, die unterwasserähnlich das Geschehen begleiten, heben diese Art von Ambient vom Könerschen Minimalismus ab, wie auch vom üppigeren Stil der Ultra Milkmaids, mit denen sich im übrigen einige Schnittstellen ausfindig machen lassen. [Multer] überzeugen mit ihrer sehr persönlichen Definition von (Gitarren)-Ambient, mit dem sie neben Jim O'Rourke, Reznicek und Maeror Tri ein weiteres Exponat alternativer Bearbeitungsmethoden des traditionsbeladenen Instruments vorführen. (artefakt)

Die Alchimisten aus Dortmund verfügen über ein Harddisk-Recording-System. Können also im Proberaum Aufgenommenes neu zusammensetzen und daraus Epochales herausdestillieren. Gitarrenklang teilt sich mit durch stereophones Aus-dem-Boxen-Quellen. Die Schallwellen - endlich wird wieder bewusst, wie Klang sich fortpflanzt - sind eine Oase der minderen Unruhe. Ein repetitives Anschwellen und Abebben kündet von einer (Ge-)Zeiten-Wende, von neuem Alltag: Analoge Rhythmus- und vor allem Gitarrenstrukturen werden digitalisiert und neu konfiguriert. Während die auf drei Stücke komprimierte There-Seite noch an Sounds von Main bis Experimental Audio Research gemahnt, gibt die umseitige, auf 21 Minuten gedehnte Titelstrecke 'Däghallmy' schubweise zurück, wie sich Glenn Branca weiterentwickeln hätte können, würde er die massiven Gitarrenobertöne seiner Ensembles digitalisieren. (skug)

Vier gesetztere Herren mit musikalischer Vergangenheit von Punkrock bis Avantgarde-Musik bewegen sich hier mutig auf dem schmalen Grat zwischen kopflastigen Kunstkonstruktionen einerseits und selbstverlorenem Proberaum-Gedaddel andererseits. Nach zwei Tapes und einem Compilation-Beitrag ist das hier das Debut-Album von etwas, das die vier Dortmunder von [multer] bandintern als 'Minimal Ambient' bezeichnen, und für das sie als Referenz unter anderem MAIN angeben. Und tatsächlich: ähnlich wie das ehemalige Godflesh-Mitglied Robert Hampson mit seiner aktuellen Band, schlachten auch [multer] das goldene Kalb der Rockmusik - die Gitarre. Sie wird hier in ein elektro-akustisches Flächenumfeld gesetzt, darf nur ein bischen Feedbacks und einsame Anschläge produzieren und muss sich ansonsten benehmen. Ruhig umschwirren sie Frequenzen und Sequenzen, angedeutete Beats und Hall, Pluckern und Perkussion. Ein Wechselspiel zwischen analogen und digitalen Ausdrucksformen, zwischen Improvisation und Komposition, zwischen den abgenudelten klassischen Bandinstrumenten und dem Weltall der Computerklänge. Musik, die wie geschaffen ist für das Sortiment des Kölner Experimental-Plattenladens 'A-Musik', wo sie auch tatsächlich im Regal stehen soll. Die Band raunt bedeutungschwanger von 'Post-Kraut' und 'Post-Psychedelic' - ansonsten muss man ihr hoch anrechnen, dass sie sich nicht in pseudo-gehaltvollen Kunstgeschwafel ergeht, sondern einfach ihre schicke LP aus 180-Gramm-Vinyl in Papphülle wirken lässt. (intro)

Was ist denn das für ein chicer Karton, der da ins Haus flattert? Clear vielleicht? Oder Hausmusik? Nö, [Multer]. Und das ist starker Tobak aus Dortmund. Die vier Jungs bezeichnen ihre Musik selbst als 'minimal ambient', ich wuerde es eher 'sehr minimal ambient' nennen: extrem prä- und postproduzierte Soundscapes, deren repetitive Struktur sich ausschliesslich über die apperzeptive Leistung des Hörers eröffnet. Als auditives Konsumgut denkbar ungeeignet, im Zusammenspiel mit weiteren sensorischen Artefakten stelle ich mir [Multer] aber recht überzeugend vor - tolle Vernissagenmusik in ausgesprochen geschmackvoller Verpackung. (westzeit 9/98)

Multer are a German group who are clearly inspired by drone/post rock, at least on 2/3 of this LP. Only the small section on side A, were they are toying around with guitarized noises and harsh loops, I thought was just a bit too simple. But, as said, 2/3 are very nice ambientesq doodlings, of synth wind blowing, stretched drones for guitar and a dark atmosphere to top it off. It works best, as usual with this kind of music, when it gets a long breath - i.e. the long tracks work best. Lovers of Ultrasound, Maeror Tri and the like should check this out. (Frans de Waard in Vital Weekly 151)