Kopenhagener Deutung

LP. Mai 2003. Genesungswerk gw18.

 
[multer] kehrt den eher konventionellen Wegen der Zürcher Wellenmechanik endgültig und beherzt den Rücken und vollbringt auf der Basis der Matrizenmechanik Kopenhagener Provenienz akustische Meisterleistungen, die zu einem radikalen Bruch mit dem klassischen Klangverständnis führen. (Dr. Erich C. Makelaan)
Vorderseite "Kopenhagener Deutung"
Rückseite "Kopenhagener Deutung"

A1: Alandar
A2: Kopenhagener Deutung
A3: Subdruese (bewegt)

B4: Myosin
B5: Columbus
B6: Goldkugelkaktus träumen



Alle mp3s in einer Bitrate von 128 kBit/s.


[multer] - Kopenhagener Deutung - 01 Alandar



[multer] - Kopenhagener Deutung - 02 Kopenhagener Deutung



[multer] - Kopenhagener Deutung - 03 Subdruese (bewegt)



[multer] - Kopenhagener Deutung - 04 Myosin



[multer] - Kopenhagener Deutung - 05 Columbus



[multer] - Kopenhagener Deutung - 06 Goldkugelkaktus träumen






Reviews

Eine der ganz grossen aber nicht lauten Höhepunkte dieses Jahres ist 'Kopenhagener Deutung', das erste Album seit längeren von dem Dortmunder Trio [MULTER]. Mit 'Alandar', einem Instrumental, das sich schwebend zwischen Struktur im weiteren Sinn und Minimalflächigkeit bewegt, beginnt der ausgeteilte Reigen. Gleich danach folgt das Titelstück und ein Juwel der Extraklasse - ein lakonisch vorgetragener Text von Karten Frankreich vs. leicht verdubter Melancholie über minimale Beatprogramme. Befindlichkeit im Hier und Jetzt, ein Thema, das im folgenden 'Subdruese (bewegt)' weiter vertieft wird ohne in Details abzuschweifen. Seite 2 eröffnet fast song-orientiert (aber ohne Stimme) mit 'Myosin'; schwelgerische Melancholie-Drones vs. kantiger Groove, der irgendwann verblasst, um einer bescheidenen Melodie Raum zu geben, bevor er verschärft zurückkehrt. Im folgenden 'Columbus' erkämpft sich die Gitarre ihren Platz, druckvoll aber fernab jeglicher Klischees, bevor sich im abschliessenden 'Goldkugelkaktus träumen' eine fast meditativ zu nennende Atmosphäre entfaltet, in die auch unverständliche Stimmfragmente eingebaut sind. Was diese Platte insgesamt auszeichnet, ist neben der Qualität der einzelnen Stücke ihr durchdachter Aufbau, die Stimmigkeit und das Feingefühl, mit dem [multer] zwischen allen Stühlen operieren und damit ihre ganz eigene Nische schaffen. Ganz grosse Klasse, leider beträgt die Erstauftage nur (wohl realistische) 500 Stück. (bad alchemy)

[multer] und ihr Label Genesungswerk hätten es endlich mal verdient, dass sie gross rauskommen. Sämtliche Releases sind von hoher Qualität in Gestaltung und Inhalt. Die Musik des Mutterschiffs [multer] ist zudem ein selten gehörter Brückenschlag zwischen Sound Culture, Electronica und Popmusik - unverkrampft und ohne viel Kopflastigkeit. Die LP Kopenhagener Deutung zeigt [multer] in elektronisch frisierter Fassung: die dichten Akkorde der Gitarre werden in einen Strom aus kleinteiligen Beats und geheimnisvollen Stimmen integriert und stehen nicht mehr so im Vordergrund, wie bei älteren Releases der Gruppe. Monumental und doch alles andere als pathetisch. (aufabwegen)

...in dieser Twilightzone machen immer mehr Acts nicht pur elektronisch generierte Musik, sondern setzen auf Melodien und den Schönklang akustischer Instrumente. Das Traumhafteste zuerst: [multer]'s Vinyl-LP 'Kopenhagener Deutung' beginnt mit einem Drone und dann tut sich der Himmel auf. Schläfrig Dämmerndes funkelt im Schattenreich, es ist etwas passiert. Sätze aus der Novelle 'Der Fuchs' von Karten Frankreich verheissen eine Katastrophe und trotzdem "erbricht sich Gelassenheit in die Stadt". Auch der Anfang der B-Seite erinnert, sommerlicher zwar, an das schläfrig-dröhnige Titelstück. Hier fliesst alles in Ruhe aus, quellt über in einen summenden Orgeldrone und mündet in eine Auslaufrille, deren repetitive Klangschönheit ewig weiterlaufen darf... (skug)

Warme, angenehme und schwebene Soundflächen verknüpfen [MULTER] mit minimalen Beats. Nichts stört, alles ist am fliessen und man wird immer tiefer in einen Klangkosmos gezogen, der einen schliesslich umhüllt. Pulsierende Gitarrendrones. Das An- und Abschwellen des gesamten Klanggebildes, das ineinander Verdrehen der einzelnen Strukturen und der friedliche Grundtenor der Musik machen die 'Kopenhagener Deutung' zu einer erstklassigen Entdeckungsreise. Wenn ich eines noch anmerken darf: obwohl auf dem Cover von 'blauem Licht' geredet wird, bin ich der Meinung, dass als Farbe Orange gemischt mit Gelbtönen besser passt. (ox-fanzine)

[multer] eröffnen das Album mit 'alandar', einem melodischen warmen Gitarrendrone. Wer aber glaubt, das sei alles, der wird durch die nächsten Stücke eines Besseren belehrt: Bei 'Kopenhagener Deutung' werden ein dezenter Beat und gesprochener Text hinzugefügt, die dem Titelstück eine lakonische Tristesse verleihen. Das darauf folgende 'subdruese (bewegt)' steigert das Tempo (es gibt Drum'n' Bass-Momente). Die zweite Seite beginnt mit 'Myosin', das fast schon leicht zu nennen ist und von einer wunderschönen Melodie und (sich steigernden) minimalen Beats getragen wird. 'Columbus' scheint zaghaft zu beginnen, entwickelt sich aber innerhalb kurzer Zeit zu einem dynamischen Track, der wehmütig und erhaben zugleich klingt, bevor er wieder in den dronigen Urgrund zurückkehrt. 'goldkugelkaktus träumen' beendet das Album so stimmungsvoll, wie es begonnen hat: Eine warme Melodie, droneartig, mit Stimmen im Hintergrund. 'Kopenhagener Deutung' ist eine wundervolle LP, die sich jenseits allzu enger Grenzen (Drone, Ambient etc.) bewegt und stimmungsmässig von einer dezenten Melancholie geprägt ist. Dass dieses Album mit einer Endlosrille ausklingt, ist da schon passend. (Equinoxe)

Die legendären Gitarrendroner und Eisenverpacker (MULTER) legen nach einer 10" und zwei 7" ihre zweite LP vor, welche laut Info mit diesem Werk den eher konventionellen Wegen der Zürcher Wellenmechanik den Rücken kehren und sich mehr der Matrizenmechanik Kopenhagener Provenienz zuwenden...? Für mich als einfacher, ungebildeter und nichtstudentischer Hörer vollzieht sich dieser Wandel in der Hinzunahme von klickenden bis dubbigen Rhythmusmustern, welche dem ambienten Drones etwas die Schärfe und Behäbigkeit nehmen bzw. fast schon grooven. Auch die Verwendung gesprochenen Wörter von KARTEN FRANKREICH aus der Novelle 'Der Fuchs' lockern den Fluss der Drones ungemein auf und machen diese auf 500 Stück limitierte LP im groben Kartoncover zur bisher zugänglichsten Arbeit des [multer]-Kollektivs. (Black)

[MULTER] haben mich schon vor fünf Jahren mit ihrem Debut 'Däghallmy' begeistert, jetzt gibt es mit 'Kopenhagener Deutung' ein neues Album der Band. Darauf feilen sie weiter an ihrer flächigen, aber doch immer fragil geradeaus strebenden Formensprache zwischen Drones und, meinetwegen, Raster-Noton. (spex)

Es scheint, als ob ich jetzt auch endlich mal etwas Lokalpatriotismus üben dürfte. Ich war ja immer ganz neidisch, dass bei den anderen um die Ecke einfach mal so tolle Labels wie Esel sassen, während das heimische Dortmund eher einem musikalischen Ödland glich. Was vernünftiges hat diese Stadt bislang nämlich nie hervorgebracht ausser, na ja, Sasha. Genesungswerk bemühen sich aber dennoch schon lange die Dortmunder Musik um ein paar experimentellere Sounds zu bereichern. Für die Ladies war das zwar zumeist nichts, aber Respekt von Musikliebhabern gab's immer. Mir war Genesungswerk immer als 7'' Label bekannt, die obskurste Geräusche mit seltsamsten Verpackungen kombinierten und dabei immer irgendwie anders waren als der Rest der freieren Elektronikerzunft.
Fangen wir mal mit Multer an: Die haben eine neue Lp namens 'Kopenhagener Deutung' gemacht. Seltsamer Titel, noch viel seltsamerer lyrischer Inhalt. Eine Stadt singt und tanzt, tausende geopferte Herzen stinken entsetzlich und doch erbricht sich Gelassenheit. Aber alles ist cool. Die Platte beginnt mit einem langsamen Drone, der direkt in die 'Kopenhagener Deutung' mündet. Der Titeltrack basiert auf einem sehr anschmiegsamen repetetiven Soundmuster, das von gesprochenen Vocals ergänzt wird. Der Protagonist sitzt in einer Bar und wundert sich, dass er die Sprache des Kellners nicht versteht, nur um direkt zu erkennen, dass es auch so sein muss, denn das Lokal heisst Babel. Hey, das ist wirklich mal anders! Was ist denn da los? Mich schauert es irgendwie wohlig, so mag ich es. Der Grundtenor wird weiterhin beibehalten, düstere aber trotzdem kuschelige Sounds erstrecken sich in ganz langen Tracks, greifen nach dir, lassen dich nicht mehr los. Was mich so verwirrt ist, dass diese Musik überhaupt keine Zeit kennt. Ich kann einfach nicht einordnen, welche Dekade am besten zu Multer passen könnte, zu viele Möglichkeiten aber keine Zitate. Multer sind halt anders... (Hayfever)

[Multer] have six pieces on their album, which open with the beautiful ambient drone (and soft rhythm paths) of 'Alandar'. Things however take a change in pieces like 'Kopenhagener Deutung' (the meaning of Copenhagen) and 'Subdruese'. Vocals are used, a piano, rhythms and drones. The vocals are hardly singing, more reciting text. Melancholical and a bit eighties like. 'Myosin' on side two is a an uptempo piece, almost in the direction of techno. 'Columbus' takes them back the areas of ambient music, but still with rhythm. The closing piece 'Goldkugelkaktus Traeumen' is along the lines of 'Alandar'. [multer] have delivered a very fine LP with some really great and diverse tunes. They have certainly grown since their previous releases and it has come to a mature level. (vital weekly 374)

Goed zes jaar brengt het Dortmundse Genesungswerk mondjesmaat knappe CDR's, tapes, vinylsingles, twelve inches en elpees van jonge, vaak ongeschoolde muzikanten uit de regio in omloop. [multer] heet het samenwerkingsverband tussen Thomas K. Geiter (synthesizer), Mal Hoeschen (sampler en percussie) en Hellmut Neidhardt (gitaar). Na een handvol 7 inches, hun debuut 'Däghallmy' uit 1998 en de spannende 10 inch 'Neskt' (2001) verschijnt vandaag hun tweede angspeler. Op 'Kopenhagener Deutung' bevindt het trio zich in de schemerzone tussen drones, strak uitgetekende elektronica en poppy gitaarmuziek. 'Alandar' steekt van wal met een transparante, naief-melancholische drone die doorprikt wordt door ruisende beats en uitmondt in het titelnummer van het album. In 'Kopenhagener Deutung' - een tekst die ontleend werd van Karten Frankreichs kortverhaal 'Der Fuchs' - neigt Thomas K. Geiters zang naar mompelend declameren. Daarbij wordt hij net niet volledig oversternd door klikkende wolken geluid en gerekte accenten van gesamplede cello. Een track die zich uitermate leent voor regenachtige dagen of - nog beter - nachten. 'Myosin' vormt het hoogtepunt van het album: uit plukken gitaar, het repetitief gesamplede geluid van een aangestreken lucifer en verkleurende synthtonen destilleert de band een stuwende triestheid. [multer] maakt deel uit van de grote Duitse school post-krautrockers maar behoort, samen met ondermeer To Rococo Rot, tot de betere leerlingen van de klas. (Tijd Cultuur)